Es geht aufwärts
Nachdem der Wiederaufbau geleistet und die grundlegenden Bedürfnisse befriedigt waren, setzte der große Konsum nach dem Vorbild der amerikanischen Lebensweise ein. Der Konsum war gekennzeichnet durch hauptsächlich billige Serienprodukte, deren Absatz durch die erhöhte Kaufkraft der Arbeitnehmer erleichtert wurde . Der allgemeine Zugriff auf Kredite beschleunigte zudem den Konsumanstieg. Auch der "kleineMann" konnte sich jetzt etwas "leisten". Das deutsche Wirtschaftswunder sorgte für volle Kühlschränke man spricht von einer regelrechten "Freßwelle". Bald gehörten Kühlschrank, Waschmaschine, nach 1960 auch Auto und Fernseher zu den " vier Trümpfen" des Durchschnittshaushaltes.
Seit den 60er Jahren wurde das Auto zum Symbol für Wohlstand, individuelle Freiheit und unbegrenzte Reisemöglichkeiten. Dadurch wurde dann auch der Tourismus ein Massenphänomen, unterstützt durch die Einführung des bezahlten Urlaubs und das Bundesurlaubsgesetz (1963).
Zudem wurde 1956 schrittweise die 5-Tage-Woche eringeführt. In nur 10 bis 15 Jahren hatte Westdeutschland den weiten Weg von der "Hungergesellschaft" zur "Überflußgesellschaft" zurückgelegt.
Das Leben in den 50er Jahren !
1. Konsumgesellschaft: Für die große Masse der Bundesbürger wurden die Verbesserungen der Lebensverhältnisse erst gegen Ende der 50er Jahre zur Realität. In den Anfangsjahren des Wirtschaftswunders lebten die meisten Bürger noch recht bescheiden. Die durchschnittliche Arbeitszeit lag in der Industrie bei 49 Stunden pro Woche.1955 mußten immer noch 20% der Erwachsenen mit einem Einkommen von 250 DM im Monat auskommen, das heißt, sie lagen damit am Existenzminimum. Auf Grund dieser Tatsache konnten ca. 50% der Bevölkerung nur über sehr kleine Wohnungen (drei Zimmer-Küche und Bad, soweit vorhanden, mitgerechnet) verfügen. Wer Unternehmer war, konnte den anbrechenden Wohlstand erheblich früher genießen als die einfachen Beschäftigten. Die Grundstimmung des Landes war sehr optimistisch. Man glaubte, alle Errungenschaften der Konsumgesellschaft schnell durch Arbeit erreichen zu können.
2. Lebensform: Die Überlebenden des Krieges in Deutschland wollten arbeiten, das Familienleben und die Konsumfreiheit genießen. Gleichzeitig wollten sie sich aber nicht um die Politik ihres Landes kümmern. Die Wahlen waren zwar gut besucht, aber es fehlt das wirkliche Intresse, besonders bei der Jugend, die dadurch als "die skeptische Generation" bezeichnet wurde. Das allgemeine Lebensgefühl wurde besonders durch Auslandsreisen geprägt, da die deutschen Touristen durch die "harte" DM überall gern gesehen waren. Eine weitere Begleiterscheinung des Wohlstandes war die Motorisierung. Das Erscheinungsbild vieler Städte änderte sich durch besseres Wohnen und ein verändertes Freizeitverhalten. Es gab aber auch eine Kehrseite der Entwicklung. Lärm, Umweltverschmutzung usw nahmen zu, wurden jedoch ignoriert. Das große Vorbild für die Bevölkerung war der "American way of life". Es schien, daß nun alle glücklich und zufrieden waren, aber der Eindruck täuschte. Viele Jugendliche versuchten sich durch und Krawalle bemerkbar zu machen.
3. Die Jugend: Eine von Amerika ausgehende Massenkultur in Mode und Musik ("Jeans und Rock'n'Roll") verband sich in Westeuropa mit dem Protest der Jugend und ihrem Lebensgefühl. Der große Einfluß, den Amerika auf Deutschland ausübte, wurde besonders in der Umgangssprache deutlich. Wurden zum Beispiel Jugendliche früher "Backfische" genannt, bestanden diese plötzlich darauf als "Teenager" bezeichnet zu werden. Durch die Änderungen in der Sprache wollten sich die Jugendlichen von der vorangegangenen Generation differenzieren. Sie erhoben z. B. ihre Musikstars zu ihren Helden und Idolen. Von ihnen übernahmen sie das Schminken und das Rauchen, das sie allerdings nur heimlich praktizierten, da so etwas auch in dieser Zeit noch als undenkbar galt.
Alles in allem kann man sagen, daß die "deutsche Jugend" besonders durch das Fernsehen, "verbotene" Zeitschriften und vor allem durch den amerikanischen Lebensstil geprägt wurde.
Die wilden Sechziger Großmutter erzählt
Als ich aus der Schule kam und beim Mittagessen erzählte, daß ich ein Referat mit dem Thema: "Die 60er Jahre" schreiben soll, waren alle auf einmal still. Meine Großeltern schauten sich lächelnd an und sagten:
"Das war eine verrückte Zeit !"
Danach konnte ich kaum noch den Dialogen der Älteren folgen , so viel hatten sie zu erzählen. Oft mußten sie schmunzeln, denn es war die Zeit, als sich die Frauen die Haare toupierten , Röcke immer kürzer und das Männerhaar länger wurde , die Beatles auf der Reeperbahn sangen, Festivals organisiert wurden. Montery, Woodstock, Altamout. Einige Stars von damals sind die Roling Stones, Bob Dylan, die Bee Gees, Cliff Richard , Walter Brothers, the Monkees und Tom Jones . Das Leben wurde offener. Es wurde frei über Sex gesprochen. Die Werbung hatte die verkaufsfördernde Wirkung des Sex schnell entdeckt. Sie begannen Sex und Ware zu verknüpfen. Aufklärung fand in Büchern, Fernsehen und Kino statt, zum Schrecken der Älteren. Mutmaßungen, Ratschläge, Freiheiten und Warnungen türmten aufeinander, während die Frauen und Mädchen darangingen ihre Lust erstmals massenhaft, hemmungslos und ohne Angst zu genießen, denn die Erfindung der Antibabypille hatte sie erstmals in der Geschichte der Menschheit in die Lage versetzt, Sex und Kinderkriegen sicher voneinander zu trennen. Frauen wurden dadurch kaum noch gezwungen zu "Engelmacherinnen" in ihren heimlichen Abtreibungsküchen zu gehen.
"Ach ja ," sagte meine Oma , "das war schon eine Erleichterung für die jungen Leute gewesen ." und wurde etwas rot . Mein Opa streichelte ihr übers Haar und versuchte abzulenken .
"Wisst ihr noch , die Sensation , als der Russe Gagari am 12.4.61 im Weltall landete und die Amerikaner am 20.7.69 auf dem Mond landeten oder J.F. Kennedy die Bundesrepublik und Westberlin am 23.6.63 besuchte und den berühmten Satz "Ich bin ein Berliner !" sagte . J.F. Kennedy wurde noch im selben Jahr am 22.11.63 in Dallas ermordet. 1963 tritt Adenauer zurück und Erhard wird Bundeskanzler . Was die Großmutter für selbstverständlich nahm, waren die vielen "Gastarbeiter" aus Italien, Grienchenland, Spanien, Portugal, Jugoslawien und schließlich auch der Türkei, die während des Wirtschaftsbooms in die Bundesrepublik gerufen wurden. Die wirtschaftliche Stagnation der 70er Jahre machte unabweisbar deutlich, was geschehen war. Arbeitskräfte waren gerufen worden und Menschen waren gekommen. Obwohl viele befristete Arbeitsverträge ausliefen, blieben viele Menschen, wie in der ganzen Republik so auch in Hannover und dem Landkreis, die ihre neue Heimat geworden war.
Die Sechziger Jahre Die Region ändert sich
1962 wurde das Gesetz zur Bildung des Großraumes Hannover beschlossen , dessen Gesamteinwohnerzahl heute 1.142.658 Menschen umfaßt. Alle Orte im Großraum Hannover sind durch ein inzwichen gut ausgebautes Straßennetz (A2 , B6 , A7 , ...) verbunden , das in den 60er Jahren geplant und zum Teil grundgelegt wurde . So wurde das Konzept: "Arbeiten in der Stadt wohnen im Großraum" möglich. In Hannover beginnt am 16.11.1965 um 10.31h der U-Bahnbau! Besondere Gebiete im Großraum sind das Steinhuder Meer und der Deister. Das Steinhuder Meer liegt mitten in einer Moorlandschaft. Orte, die mitunter historisch sehenswert sind, sind z.B. Steinhude und Mardorf , die direkt am Steinhuder Meer liegen. Steinhude gehört zu Wunstorf, Mardorf zur Stadt Neustadt am Rübenberge. Das Gebiet um das Steinhuder Meer ist ein zentrales Erholungsgebiet für gestreßte Großstädter, zugleich enthält es ausgedehnte Naturschutzflächen. Der Deister ist der Nordkap des Weserberglandes. Seine durschnittliche Höhe von 350m und seine dichten Waldgebiete bieten Gelegenheit zum Wandern Der Deister dient vorrangig der Naherholung, aber auch dem Naturschutz z.B. durch einen Waldlehrpfad.
Das Ende der Sechziger Jahre Ende und Anfang
Der 2. Juni 1967 war ein Tag, der Westdeutschland veränderte. Bei einer Demonstration verschiedener Studentenverbände gegen den Schah und sein korruptes Regime wurde der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Außerdem wurden auch viele Studenten verletzt. Trotzdem wurden die Studenten von Regierung und Medien angeprangert, daß sie einen Gast der Bundesrepublik beleidigt und Tote und Verletzte selber zu verantworten hätten. Hinter der Selbstgerechtigkeit der Deutschen der 60er Jahre, die auf dem Wirtschaftswunder beruhte, verbarg sich die Angst vor später Strafe und einem Ende des Wirtschaftswunders. Die jungen Leute wuchsen in einer Zeit auf, in der sie merkten, daß sie nicht nur die Kinder der Helden von Stalingrad waren, sondern auch der Mörder von Auschwitz. Zu Hause bekamen sie keine Antworten auf die Fragen aus der Vergangenheit. Das Fragen galt als unanständig. So nahmen sie ihre Fragen mit in die Universitäten. Für die meisten Professoren und Politiker wurden sie damit zu Unruhestiftern, die zum Schweigen gebracht werden sollten. Das Verbot politischer Studentengruppen wurde nach Protesten gegen Verbote von Studentensitzungen erwogen. Überall in Deutschland galten damals politische Diskussionen an Universitäten als unanständig, wenn sie nicht gerade antikommunistisch waren. Die Professoren forderten eine Reform an Universitäten, um den alten Studierenden in Schlips und Kragen wiederzubekommen. Die Studenten hingegen forderten Reformen an den Hochschulen, um die autoritären Strukturen, an denen sich seit hunderten von Jahren nichts verändert hatte, abzuschaffen. Der Nachkriegsgeneration "stank" nicht nur dies, sondern auch die Doppel Moral ihrer Eltern. Aus den USA schwappte die Rockn Roll Welle mit Sex und Drogen gegen die heile Welt der Deutschen. Den ersten Schock erhielt die Wertegemeinschaft, als Jugendliche nach Rock-Konzerten die Bestuhlung und die Bühne auseinandernahmen. Die sich häufenden Verstöße gegen die "guten alten Sitten" verstörte die Gesellschaft zunehmend. Ein Beispiel für die damalige Zeit ist die von den Springer Medien verteufelte Kommune 1, die sich mit Lust zur Schau stellte und den freien Sex propagierte. Die Medien putschten die Kommune als Hort von mörderischer Gewalt hoch und behaupteten sogar, daß ein Attentat gegen den US Vizepräsidenten geplant sei.
Die Politiker reagierten auf die Ente mit progromähnlichen Ausrufen und unrechtmäßigen Verhaftungen. Durch die Medien wurde das deutsche Volk gegen die Studenten aufgehetzt, die sich in der Majorität nur friedlich engagierten. Dies gipfelte darin, daß auf den Studentenführer Rudi Dutschke ein Mordanschlag am 11.04.1968 verübt wurde. Der Täter hatte in der Zeitung gelesen, daß der Studentenführer eine Verkörperung des Teufels sei und daß er damit Deutschland einen Gefallen täte. Nach diesem Attentat entlud sich die Spannung der Jugendlichen auch zum erstenmal gewalttätig. Die Frühjahrsunruhen waren der Höhepunkt und Anfang vom Ende der Revolte. Viele der Studenten engagierten sich noch weiter in der Friedensbewegung und Emanzipation. Aus ihnen gingen die "Grünen" hervor und auch die Blumenkinder in Deutschland, die mit ihren amerikanischen Vorbildern gegen den Vietnamkrieg protestierten. Die Mehrheit der jungen Protestierenden hatte begriffen, daß sie die Machtstrukturen nicht verändern konnten. Aber auch den Älteren dämmerte, daß sie den Wertekrieg gegen die eigenen Kinder nicht gewinnen könnten. Die westdeutsche Gesellschaft reformierte sich innerhalb weniger Monate radikal. Die nachfaschistische Moral war gebrochen, aber die Strukturen des demokratischen und kapitalistischen Staates wurden gestärkt. Die Bundesrepublik entwickelte sich zu einer normalen westlichen Demokratie mit einer selbstbewußten, engagierten jungen Generation. Die SPD profitierte zuerst von dieser politischen Kultur. 1969 wurde Willy Brandt unter dem Motto Kanzler : Mehr Demokratie wagen.
Die 70er Jahre
1968 gründet sich von der -von der Öffentlichkeit kaum bemerkt- der "Club of Rome". 1972 schreckt die nüchterne Hochrechnung der Zukunft des Planeten die Öffentlichkeit auf. Erstmalig wird das Überleben der Menschheit in Frage gestellt; "Fortschritt" wird negativ besetzt ! Zukunftspessimismus, der besonders in den 80er Jahren die Haltung des " "No future" bestimmt, ist eine Konsequenz. Die allmähliche Reduktion eines rücksichtslos Rohstoffressourcen ausbeutenden Wachstums ist eine andere Konsequenz. Die 70er Jahre bedeuten eine Entspannung der gesamten Weltsituation, das heißt, die Sowjetunion näherte sich friedlich dem Westen an. Es gab aber trotzdem noch Kämpfe. Der bekannteste war wohl der Vietnam-Krieg. Aber man lernte aus den Fehlern und schloß 1972 und 1973 Verträge ab, die einen Atomkrieg verhindern sollen. Der westliche Entspannungsprozeß fand seinen Höhepunkt in der KSZE in u.a. Wien, Paris und Helsinki.
Deutschland in den 70er Jahren
Für Deutschland waren die Jahre allerdings nicht nur schön. Obwohl es anders schien, änderte sich für das Land politisch wenig. Stattdessen wurde die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung durch die Sowjetunion, die schon die Berliner Mauer hatte errichten lassen, zerstört. Die siebziger Jahre wurden in Deutschland besonders von drei Entwicklungen geprägt. Zum ersten wurde von der Bundesregierung eine Entspannungspolitik gegenüber Staaten des Warschauer Paktes , wie z.B. gegenüber Polen, geführt. In den siebziger Jahren wurden auch die Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums erreicht, was durch die Ölkrise gut gezeigt wurde. Außerdem waren in dieser Zeit terroristische Gruppen auf der ganzen Welt und besonders auch in Deutschland sehr aktiv. Die Gesellschaft änderte sich in dieser Zeit sehr stark, und die Menschen wurden allgemein freizügiger, was sich z.B. auch in der Kunst ausdrückte.
Die Innenpolitik: In den gesamten siebziger Jahren bestand die Bundesregierung aus einer sozial-liberalen Koalition aus SPD und FDP. Bundeskanzler war zunächst Willy Brandt, der aber 1974 zurücktrat. Daraufhin wurde Helmut Schmidt zu seinem Nachfolger. Innenpolitisch waren unter dieser Regierung die Ausweitung mancher Bürgerrechte, wie z.B. das Recht auf Mitbestimmung und die Herabsetzung des Wahlalters, und eine Gebietsreform wichtige Erfolge.
Die Außenpolitik: Außenpolitisch wurde eine neue Ostpolitik betrieben, deren Hauptziele die Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern, die Friedenssicherung und die Entspannung des Kalten Krieges war. So wurde z.B. 1970 Verträge über Gewaltverzicht und Normalisierung mit der Sowjetunion und wenig später mit Polen abgeschlossen. Auch die Beziehungen zu der DDR wurden verbessert. Diese Ostverträge und die damit verbundene Annäherung an den Ostblock und die Entspannung waren die Basis der späteren Wiedervereinigung. Für seine Bemühungen um den Frieden erhielt Bundeskanzler Willy Brandt sogar den Nobelpreis. Außerdem wurde die BRD in den siebziger Jahren als vollwertiges Mitglied in die NATO aufgenommen.
Der Terrorismus: Besonders geprägt wurden die siebziger Jahre auch durch den Terrorismus, der für die westlichen Staaten eine ernsthafte Bedrohung darstellte. In Deutschland entstanden die meisten terroristischen Gruppierungen aus den Studentenbewegungen, die sich in den sechziger Jahren gebildet hatten und auch schon linksextremistische Gesinnung zeigten. Die wichtigste Gruppe war die sogenannte "Rote Armee Fraktion" (RAF), die 1967 von der Journalistin Ulrike Meinhof und von Andreas Baader gegründet wurde. Die durchgeführten Anschläge konnten sich gegen fast alles und jeden richten, was sie besonders unberechenbar und schwer faßbar machte. Hauptsächlich richteten sich Anschläge und Geiselnahmen aber gegen staatliche Einrichtungen. Die RAF operierte in der gesamten Bundesrepublik, und auch in der Region Hannover hat sie ein Versteck in einem einfachen Mietshaus gehabt. Insgesamt führte sie mehr als zehn Anschläge aus. Höhepunkt des Terrorismus in Deutschland war mit Sicherheit die Entführung von Arbeitgeberpräsident Hans Martin Schleyer in Köln im September 1977, und die damit im Zusammenhang stehende Entführung einer Lufthansa-Maschine. In diesem schrecklichen Spätsommer war die ganze Nation entsetzt und bangte um die Entführten. Ein weiterer Höhepunkt war die Entführung der israelischen Mannschaft bei den Olympischen Spiele 1972 durch die arabische Terrororganisation "Schwarzer Sommer". Diese blutige Tat bei den vorher so friedlichen Spielen erschütterte die gesamte Welt.
Die Ölkrise: Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Ölkrise in der Mitte der siebziger Jahre. Auf Grund von Spannungen im Nahen Osten und einer unglücklichen Vermittlungspolitik der USA vervierfachten die erdölfördernen Länder des Mittleren Ostens einfach die Mineralölpreise. Das Ergebnis für die deutsche Bevölkerung war ein Sonntagsfahrverbot für den privaten Verkehr. Durch dieses Ereignis wurde deutlich, wie abhängig auch die westlichen Industrienationen waren, und es wurde außerdem klar, daß die Grenze des Wachstums erreicht war.
Architektur und Bauten:
Wie auch schon in den sechziger Jahren wurde in dieser Zeit viele Hochhäuser und andere Mietshäuser gebaut. Dieser recht einfache Baustil, der für den heutigen Betrachter meist nicht besonders geschmackvoll aussieht, prägt auch heute noch weite Teile des Stadtbildes von Hannover. Auch viele öffentliche Gebäude wurden gebaut, und es wurde viel Geld in die Verbesserung der Infrastruktur investiert. So wurde z.B. in dieser Zeit in unserem Wohnort Neustadt das Krankenhaus gebaut. Ein anderes Beispiel ist das "Ihme-Zentrum" in Hannover. Dieses Einkaufs- und Geschäftszentrum veranschaulicht den Stil und die Ziele der Bauten der siebziger Jahre sehr gut. Hier ging es in erster Linie um die Größe des Gebäudes und nicht um die Schönheit. Obwohl dieser graue, traurige Gebäudekomplex die Stadt auf keinen Fall verschönert, ist es heute aus dem Stadtbild von Hannover auf keinen Fall weg zu denken. Aber auch hier bei der Infrastruktur und im Bau wurde in den siebziger Jahren deutlich, daß ein Ende des Aufschwungs bald erreicht war.
Die Kunst:
In der Kunst gab es in den siebziger Jahren wesentliche Veränderungen. Sie ist viel moderner und abstrakter geworden, was jedoch oft zu heftigen Diskussionen führte. In dieser Zeit wurden gerade besonders viele künstlerische Skulpturen errichtet. Ein gutes Beispiel dafür sind die "Nanas" in Hannover. Diese bunten, abstrakten Figuren mit runden Formen führten auch hier zu vielen Diskussionen. Das Lebensgefühl das sie ausdrücken sollten: Sinnenfreude ohne Tabus, war nicht mehr das Lebensgefühl der 70er Jahre!
In der Region bleibt nichts beim alten!
Der Großraum: Der 1962 entstandene "Großraum Hannover" war zunächst nur ein Zusammenschluß vieler sogenannter Gebietskörperschaften, 40 an der Zahl, keine eigene Körperschaft. So vereinigten sich die Landeshauptstadt und die sie umgebenden Landkreise, nämlich die Kreise Hannover, Burgdorf, Neustadt usw. zur Wahrnehmung gemeinsamer Aufgaben. In den 70er Jahren erfolgten tiefgreifende Einschnitte. Der Verband Großraum Hannover wurde zunächst Träger des neugeschaffenen Großraumverkehrs. Vor allem kam es zu einer umfassenden Gebietsreform; Städte- und Gemeindegrenzen wurden 1974 völlig neugezogen; auch die Kreise wurden neu definiert. So war aus dem Großraum Hannover 1974 ein Zusammenschluß aus der Landeshauptstadt und dem sie ringförmig umgebenden, neu definierten Landkreis Hannover geworden, zu dem nur noch 20 zusammengefaßte Städte und Gemeinden zählten. Der Status änderte sich völlig: "Der Großraum Hannover" wurde eine öffentlich rechtliche, selbstverwaltete Körperschaft mit direkt zu wählender Verbandsversammlung! - Die Region war zusammengewachsen! Allerdings für kurze Zeit: 1980 wurde der Verband wieder aufgelöst: Die Region strebte auseinander! Allerdings setzten sich die partikulären Kräfte nicht vollständig durch: Es blieb der "Zweckverband Großraum Hannover" mit deutlich eingeschränktem Zweck, nämlich vor allem der Regelung des Großraumverkehrs, und keiner vom Bürger direkt gewählten Verbandsversammlung. 1992 wurde die rechtliche Stellung des "Großraums" wesentlich gestärkt, als die bis heute bestehende Form vorläufig festgeschrieben wurde: Die öffentlich rechtliche Körperschaft "Kommunalverband Großraum Hannover": Über den Landkreis Hannover hinaus wurden weitere Landkreise, z.B. Schaumburg-Lippe und Gemeinden eingebunden, zwecks Regulierung des Regionalverkehrs.
Die Gebietsreform Neustadt als Beispiel:
Die Stadt Neustadt setzt sich seit 1974 bis heute aus folgenden Ortschaften zusammen: Kernstadt - Abbensen, Amedorf, Averhoy, Basse, Bevensen, Bordenau, Borstel, Brase, Büren, Dudensen, Eilvese, Empede, Esperke, Evensen, Hagen, Helstorf, Laderholz, Lutter, Luttmersen, Mandelsloh, Mardorf, Mariensee, Mecklenhorst, Metel, Niedernstöcken, Nöpke, Otternhagen, Poggenhagen, Scharrel, Stöckendrebber, Suttorf, Vesbeck, Welze und Wulfelade. Die Bewohner waren in den 70er Jahren mit der Gebietsreform ebenso beschäftigt, wie mit dem 70er Jahre - typischen Lebensgefühl, das auch vor Neustadt nicht Halt machte. Warum sollte ein Mandelsloher z.B., der immerhin durch ein Moorgebiet von der Kernstadt getrennt war, plötzlich sagen er sei Neustädter? 1998 ist das zur Selbstverständlichkeit geworden - die Stadt ist zusammengewachsen.
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