Die Stunde Null
Der zweite Weltkrieg, das Leid und die Zerstörung, die er mit sich brachte, waren das Ergebnis nationalsozialistischer Politik. Auch die deutsche Bevölkerung hatte an den Folgen des Krieges schwer zu tragen.
1945 Die letzten Kriegstage:
Soldaten, die von der Front flüchteten, wurden von den Eroberungstruppen in Gefangenenlager gebracht.Hierbei meldeten sich ganze Heere freiwillig in Kriegsgefangenschaft.
Deutsche Kriegsgefangene insgesamt : 6-7 Mio
Im Gefangenenlager:
Die Lager waren umzäunt von Stacheldraht. Es gab keinen Schutz vor Witterung: Um nicht zu erfrieren, gruben sich die Gefangenen in den Boden ein. Bei Regen verwandelte sich der Boden schnell in Morast, so war auch die Kleidung der Gefangenen durchnäßt, und es gab keine Trocknungsmöglichkeiten. Zu den Erfrierungstoten kamen die, die an den Seuchen starben.Besonders die Ruhr hatte sich ausgebreitet. Das Wasser war knapp, es gab nur wenige Wasserhähne, so daß man oft stundenlang warten mußte für eine Dose voll Wasser.
Der Sommer 1945:
Die ersten Kriegsgefangenen wurden entlassen, viele wurden jedoch zu billigen Arbeitskräften für die Siegermächte gemacht. (Die USA gaben Gefangene an Frankreich und Belgien ab.) Die Begegnungen mit den Besatzungssoldaten waren unterschiedlich: Viele Deutsche traten ihnen offen entgegen, andere wiederum hatten immer noch Angst. Man begann mit der Notversorgung der deutschen Bevölkerung. Dies erwies als schwierig, da überall geplündert wurde.Die Menschen dachten bereits an den kommenden Winter, und man versuchte sofern dies möglich war Vorräte anzulegen.
Entdeckung der Konzentrationslager:
Als die Besatzer die Konzentrationslager betraten, bot sich ihnen ein Anblick des Schreckens: Tausende von Leichen lagen übereinandergestapelt auf großen Feldern. Man war mit der Aushebung von Massengräbern kaum nachgekommen. Die Überlebenden, die man in den Bracken vorfand, waren vor Schock und Schwäche kaum noch bei Besinnung.
Deutschland: Ein Trümmerhaufen
So sah es besonders in den Städten aus: Die Häuser lagen in Schutt und Asche. "Trümmerfrauen" arbeiteten 6 Tage pro Woche für 60-70 Pfennig Stundenlohn. Die Gefahren, durch Einsturz und Explosionen von Blindgängern nahmen die Frauen in Kauf, da der Arbeitslohn oftmals die einzige Möglichkeit war, sich und ihre Familien vor dem Hungertod zu bewahren. Viele Kinder waren durch den Krieg von ihren Eltern getrennt worden. Diese schlossen sich nun zu Jugendbanden zusammen, um zu überleben. Schulen konnten nur notdürftig wieder hergerichtet werden.
Überleben in der Nachkriegszeit:
In offenen Güterwagen kamen die ersten Kriegsheimkehrer zurück. Man schaffte es entweder mit Passierschein oder illegal, die Heimat zu erreichen. Gleichzeitig trafen die ersten Flüchtlinge ein; sie wurden größtenteils bei Familien einquartiert. Jeder versuchte, eine Zuzugsgenehmigung zu bekommen. Sie stellte die Existenzgrundlage dar: Anrecht auf Lebensmittelkarten, Eintragung in die Wartelisten für eine Wohnung und das Recht auf Arbeit.
In Hannover - Die Situation im Überblick
Während des Krieges schrumpfte die Einwohnerzahl Hannovers von 472000 auf 217000.
Das Ausmaß des Schadens für die Stadt wird an folgenden Beispielen deutlich:
Die britische Militärregierung in Hannover ruft im Juni 1945 die Bevölkerung auf, Schutt und Müll der zerstörten Wohnhäuser zu beseitigen. Da viele nicht diesem Aufruf folgen, werden auf Befehl der Regierung alle Arbeitfähigen erfaßt, um weitere Arbeitskräfte beim Wiederaufbau einsetzen zu können. Im Jahr 1948 sind über 1 Mio. der 6,5 Mio. Kubikmeter bereits weggeräumt. 1954 ist Hannover bereits wieder eine Halb-Millionen-Stadt.
Zerstörungen in Hannover - Die Daten im einzelnen:
Gesamtzahl der im Luftkrieg getöteten Personen: 6 782; davon
Außerdem gefallene Wehrmachtsangehörige aus Hannover: 10 998.
Gebäudeschäden:
|
total zerstört |
schwere Schäden |
mittlere Schäden |
leichte Schäden |
|
|
Öffentliche Gebäude |
44 |
35 |
15 |
6 |
|
Geschäfts- und Lagerhäuser |
36 |
14 |
42 |
8 |
|
Industriebetriebe |
33 |
28 |
33 |
6 |
|
Wohnhäuser |
50 |
11 |
33 |
6 |
Zerstörte und beschädigte Wohnungen:
total
zerstört oder schwer beschädigt: 73 728 (51,2%)
mittel
und leicht beschädigt: 62 784 (43,6%)
unbeschädigt:
7 489 ( 5,2%)
Beispiele:
Von
24 000 Fernanschlüssen 1939 waren noch 200 intakt.
Von
850 km Gasleitungen gab es noch 250 km.
11%
aller Haushalte Haushalte waren noch an der funktionierenden Wasserleitung
angeschlossen.
Straßenbahn-
und Eisenbahnschienen waren unbefahrbar.
Von
101 377 industriellen Arbeitsplätzen sind 1946 noch 48 542
vorhanden.
Sämtliche
Theater ware4n zerstört.
Von
87 Schulgebäuden sind 39 total, 23 schwer, 21 leicht zerstört,
4 waren unbeschädigt.
Von
82 Sportplätzen waren noch 17 nutzbar.
Weniger
als 25% der Einwohner haben elektrisches Licht.
Photo: Ruine der Ägidienkirche
Im Landkreis Hannover zerstörter Wohnraum:
Im Raum Burgdorf: 3,4%
Landkreis Hannover: 10,4%
Im Raum Neustadt am Rübenberge: 2,3%
Im Raum Springe: 1,3%
Photo: Hannover nach dem Krieg
Situation in Neustadt
Vor dem Krieg, im Jahre 1939, gab es in Neustadt 10743 Häuser und Gebäude jeglicher Art. Zwei Jahre nach Kriegsende, 1947, waren davon 1150 Gebäude zerstört. Zahlreiche Flüchtlinge kamen nach dem Krieg nach Neustadt. Sie wurden in gemeinnützigen Institutionen untergebracht, ebenso wie Bombengeschädigte, deren Häuser zerstört sind. Nach Kriegsende gab es Wochenlang nur begrenzt offizielle Informationsquellen, z.B. Aushänge der Militärregierung. Zudem herrschte überall Papiermangel. In vielen Regionen Niedersachsens erschienen lediglich zweimal wöchentlich eine Zeitung von geringem Umfang. So erschien das Amtsblatt für den Kreis Neustadt ab Februar 1946, die traditionsreiche "Leine Zeitung" erst nach Aufhebung des Lizenzzwangs 1949. Anfang der 50er Jahre setzte ein regelrechter Flüchtlingsstrom ein, durch den Gebiete mit hoher Wohndichte sehr weit vom Zentrum der Stadt entfernt entstanden. Sogar 1966 sind noch 7000 Einwohner (heutige Einwohner in der Kernstadt: ca. 15000; mit eingemeindeten Dörfern: ca. 47000) unzureichend untergebracht und rund 2000 fehlten.
Zeitzeugenbericht einer Flucht
Im September 1944 floh ich mit 17 Jahren aus der Region Insterburg/Ostpreußen mit einer Freundin in das 100 km entfernte Moorungen/Ostpreußen . Zu dem Zeitpunkt war die Front ca. 7 km entfernt . Wir sollten eigentlich die Anordnung zu Fliehen vom Bürgermeister abwarten, doch der war schon lange vorher geflohen. Also brachen auch wir auf . Da die Strassen wegen der Soldaten und Flüchtlinge total verstopft waren , waren wir mit dem Pferdewagen ca. 6 Wochen lang unterwegs . Viele von den Flüchtlingen sind auf der Strecke geblieben , weil ihre Wagen zusammenbrachen , weil sie erkrankten und weil immer wieder russische Tiefflieger auf uns schossen . Wir waren aber so überraschend aufgebrochen , daß wir gar keine Sachen bei uns hatten . Also wurden wir noch einmal zurück geschickt , um das nötigste zu holen . Die Front war aber schon so weit zurückgezogen , daß sich die deutschen Soldaten in unserem Wohnort ein gerichtet hatten . Und da es für uns zu gefährlich gewesen wäre , wieder zu fliehen hatten die Soldaten uns zu unserer Sicherheit bei sich behalten . Von da an gehörten wir zur Einheit und mußten für sie nähen und Essenspackete für die Frontsoldaten bereiten. Das war von Oktober 1944 bis Januar 1945 . Dann durchbrachen die Russen die Front und überrollten ganz Ostpreussen . Wir zogen uns mit den Soldaten auf LKW`s Richtung Königsberg zurück. Aber auch Königsberg war schon bald eingekesselt , und da sagte der Oberzahlmeister zu uns :"Ich überlasse euch den Russen nicht , denn alle , die eine Uniform tragen , werden erschossen , vergewaltigt , mißhandelt oder sogar bei lebendigen Leibe an die Scheunentore genagelt ." Wir packten das Nötigste in unsere Rucksäcke und begaben uns wieder auf LKW`s auf die Flucht . Doch dann kamen wieder die Tiefflieger und beschossen uns . Also sprangen wir alle von den LKW`s i n die Gräben , um uns vor dem Beschuß zu schützen , aber der LKW fuhr mit unseren Rucksäcken weiter . Nun hatten wir nicht einmal mehr etwas zu Essen . Bei Heiligenfelde sind wir dann 7 km über das Eis des Haff`s gegangen und gelangten auf einen schmalen Landstreifen nach Danzig . Weil das Eis zerbombt war , mußten wir bei 20C durch knietiefes Wasser wahten . Viele Menschen waren mit ihren Pferdewagen eingebrochen und schon im Eis eingefroren . In Danzig sollten wir Mädchen ,obwohl wir keine Ausbildung hatten an der Flagstelle dienen.Wir konnten aber glücklicherweise noch auf einen Güterzug aufspringen und sind dann 2 Tage und Nächte stehend nach Stettin gefahren . Trotz zwischenzeitlichen Beschuß von Tieffliegern sin wir nach Berlin gekommen . Wir wurden gleich wieder unserer alten Einheit angeschlossen und verbrachten dann 8 Tage in der Nähe eines Flughafens . Doch als die Russen in Deutschland einmarschierten , flohen w ir weiter nach Diepholz , wieder zu einem Flughafen , und wurden direkt auf dem Fliegerhorst in Kasernen untergebracht . Von dort aus fuhren wir mit der Einheit auf Lastwagen zu Husumer Flugplatz . Aber Husum und Umgebung wurde eines nachts von Bombern durch einen Bombenteppich in Schutt und Asche gelegt . Die Baracken fielen wie Kartenhäuschen zusammen , und zum Glück konnten wir uns in Ein-Mann-Löcher retten und mir wurden von den Bombensplittern nur die Hände aufgerissen . Im Mai 1945 wurden wir in Regensburg von der Einheit entlassen und zogen dann ohne Ziel von Bauer zu Bauer , um um etwas zu Essen zu Bitten . Wir kamen in einer Schule unter und der Lehrer hat uns Arbeit bei einem Bauern in Eckernförde besorgt . Nach ca. 4 Wochen verließen wir den Bauernhof und fuhren mit dem Zug nach Bremen , wo wir , da der Bahnhof zerbombt war , auf einem Schiff schliefen . Am nächsten Tag setzten wir uns in irgendeinen Zug und fuhren bis nach Neustadt am R&u uml;benberge und stiegen dort aus . Vom Bahnhof gingen wir zum Krankenhaus . Dort konnten wir wohnen , essen und für 28 DM im Monat arbeiten . Erst in Neustadt wurden wir auch als Flüchtlinge gemeldet .
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt:
Einige Gründe dafür waren:
Displaced Persons
Kriegsheimkehrer
Flüchtlinge und Vertriebene
Eingliederung der Flüchtlinge:
Flüchtlinge in Neustadt a.Rbge.:
Nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands begann die Vertreibung der Deutschen aus den östlichen und südöstlichen Gebieten Europas. Außerdem legte das Potsdamer Abkommen fest, daß noch 6.6 Mio. Deutsche, Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei zu verlassen hätten. Diese wurden meistens von den grenznahen Gebieten aufgenommen. So kam es, daß nach der Volkszählung im Oktober 1946 fast 1.7 Mio. Menschen mehr im Raum Hannover lebten, als vor dem Krieg.
Diese Menschen kamen zu
Aber nicht erst durch die Kapitulation und die daraus folgende Vertreibung kamen so viele Flüchtlinge in den Raum Hannover. Auch während des Krieges war der Andrang der Flüchtlinge aus den Ostgebieten groß, da viele sich vor der herankommenden Roten Armee in Sicherheit bringen wollten.
Im Landkreis Neustadt a. Rbge. gab es auch noch sogenannte Displaced Persons, welche Kriegsgefangene und ausländische Arbeitskräfte waren, die in der Landwirtschaft und in der Produktion von Rüstungsgütern von Deutschland eingesetzt worden waren. Der Anteil der D. P. s im Landkreis Neustadt a. Rbge. betrug 7,3% . Eine Rückführung in die Heimat der D. P. verlief nur bei denen, die aus West- und Südeuropa kamen ohne Probleme. Für den Rest der D. P. , welche nach Polen, den UdSSR oder Jugoslawien zurück sollten, dauerte dieser Vorgang bis Ende der 40er Jahre. Aber neben der Rückführung kam noch das Problem der Unterkunft hinzu. In Neustadt wurden dafür zehn Lager Notunterkünfte bereitgestellt, in denen 337 Menschen Unterschlupf fanden. Andere wurden zu einheimischen Familien geschickt. Diese Familien stellten ihnen meist ein Zimmer zur Verfügung. Jedoch wurde dies von den meisten Familien mit Mißtrauen betracht et und oft kam es, daß sich die Flüchtlinge nicht sehr wohl fühlten. Neben der Unterkunft mußte man auch noch die Frage der Ernährung klären. Durch die Gebietsverluste und den Verlust von Ersatzteilen für die kaputten landwirtschaftlichen Maschinen, verschlechterte sich die Ernährungslage nach 1945 stark. In der britischen Zone konnte deshalb im Winter 45/46 lediglich eine Eigenproduktion von 400 Kalorien pro Kopf und Tag erreicht werden. So waren große Importe nötig, um die Lage nicht noch weiter zu verschlechtern. Im März ´46 belief sich die durchschnittliche Pro-Kopf-Energiemenge auf lediglich 1103 Kalorien, obwohl 1500 Kalorien vorgeschrieben waren. Erst 1948 verbesserte sich die Lage durch günstige Ernten und gesteigerte Importe allmählich. So fiel am 1. März 1950 endgültig die Lebensmittelrationierung weg. Neben der Nahrungsknappheit gab es noch das Bekleidungsproblem. Da auch hier fast alle Betriebe br ach lagen, gab es kaum neue Ware. So gaben die Wirtschaftsämter Bezugsscheine für diesen geringen Teil der Kleidung aus. Einige hatten sich schon im April ´45 durch Plünderungen der Warenlager und durch die offizielle Auflösung der Wehrmachtslager mit Schuhen und Kleidern eingedeckt. Zum Umfärben der Kleidung wurde von der Regierung braune, blaue und grüne Farbe bereitgestellt. Viele Flüchtlinge haben sich in Neustadt und Umgebung niedergelassen. Einige haben später durch gegründete Heimatkreise ihre Heimat nach Jahren noch einmal besucht.